Golf-Mentaltraining Amateure

Wie vom anderen Stern

Die Trainer einer Herrenclubmannschaft in Norddeutschland beauftragten mich mit dem Coaching eines jungen Spielers – eine Woche vor den Club- meisterschaften im September. Sein Handicap lag bei sehr guten 3,7. Allerdings hatte er die gesamte Saison über schlechter als sein Handicap gespielt, besonders dann, wenn er mit der Mannschaft für seinen Club spielen sollte.

Folge: Sein Erfolgsdruck stieg immer mehr an und gleichzeitig destabilisierte er sich zusehends emotional-mental. Seine Wut und Enttäuschung nach misslungenen Schlägen konnte er nicht mehr konstruktiv auffangen, sodass diese Gefühle ihn immer mehr nach unten zogen. Diesen Teufels- kreis konnte er nicht mehr durchbrechen. Er trainierte unermüdlich auf der Driving-Range und übte und übte: Was dann jedoch im Spiel passierte, war für ihn einfach frustrierend: Er konnte sein Potenzial in den entscheidenden Höchstleistungsmomenten einfach nicht abrufen.

Wir führten in einer Woche drei kurze Coachings durch, spürten mithilfe des Muskeltests entscheidende »Deckerinnerungen« auf und lösten seine noch »wurmenden« Misserfolgserlebnisse und -erinnerungen auf. Er gewann dadurch auch emotional immer mehr Sicherheit und Zuversicht. Dies wirkte sich auch auf die Ergebnisse eines speziellen Loches aus. Durch das Emotions-Coaching hatte er eine andere Haltung und Souveränität zu sei- nem persönlichen »Horror-Loch« bekommen: Früher hat dieses Loch sei- nen Score sehr negativ beeinflusst, weil er dort regelmäßig schlecht spiel- te. Grund: Er verknüpfte das Design der Bahn mit ausgesprochen negativen Emotionen, gegen die er vorher aus eigener Kraft nicht ankam. Nach dem Coaching spielte er dort auf allen vier Runden sehr gute Ergebnisse: Pars oder Birdies.

Die Clubmeisterschaften gingen über vier Runden, jeden Tag wurden 36 Löcher gespielt. Der gecoachte Spieler zeigte ein rundum sehr, sehr gutes und viel konstanteres Spiel. Es gelang ihm plötzlich wieder in emotional-mentaler Balance zu bleiben. Einer seiner Flight-Partner nannte ihn wie verzau- bert. Seine Eltern beteuerten ganz erstaunt, ihren Sohn noch nie so locker und entspannt gesehen zu haben. Sein Trainer war auch ganz beeindruckt von den schlagartigen Veränderungen und freute sich über diese effiziente Ergänzung der Trainerleistungen. Er begrüßte mich als Zuschauerin auf dem Turnier mit den Worten »Was hast du denn mit dem gemacht? Der spielt wie vom anderen Stern!«

Ein Erfolgsgeheimnis war sein konsequentes Selbstcoaching

Erfolgsgeheimnis war neben dem Coaching sein konsequentes und effizientes Selbstcoaching: Er hat zielgerichtet und konzentriert umgesetzt, was er sich vor- her im Coaching als für ihn sinnvoll erarbeitet und mithilfe des Muskeltests als für ihn wirksam überprüft hatte. Ich empfahl ihm, sich hinterher die wichtigsten Stichworte seines Erfolgsrezeptes schriftlich festzuhalten. Denn dies, wie bei einem Erfolgstagebuch im Business, stärkt erstens das Selbstbewusstsein und dient zweitens als genauer Leitfaden für zukünftige Turniere und Herausforderungen. Vor dem nächsten Turnier kann er sich damit seine Erfolgsstrategien in Erinne- rung rufen und davon erneut profitieren und Höchstleistungen abrufen.

Das Folgende hat er für sich festgehalten – möge es Ihnen ebenfalls Anregungen geben:

  • Meine Erwartungen an meine Turnierergebnisse nicht zu hoch schrauben.
  • Ich habe mich auf ein Ziel oder Motto fokussiert, das mit Spaß, Freude, Leichtigkeit, Lockerheit und Gelassenheit zu tun hat.
  • Mein Motto ist: »Ich bin hier, um einen schönen Golftag zu genießen, um Spaß zu haben!«
  • Ich habe vor jedem Schlag meinen Anker betätigt und mein mit meinem Armband verankerten Zielsatz »Entspann dich« möglichst häufig ins Gedächtnis gerufen.
  • In den Tagen vor dem Turnier habe ich während des Hörens der WingWave- CD genussvoll und entspannt an mein Golfen gedacht und dabei ab und zu an meinem Armband so gedreht, wie ich es vor meinen Schwüngen zukünftig machen wollte.
  • Wenn ich mit Schlägen oder deren Ergebnissen unzufrieden war, habe ich sofort mit schnellen Augenbewegungen die Emotionen wieder »runterge- dampft« und mir dafür selbst »verziehen«! (dadurch habe ich keine emotio- nale Abwärtsspirale zugelassen).
  • Dadurch war ich »milde mit mir« – so wie ich es auch mit einem guten Freund gewesen wäre. Den hätte ich ja auch versucht zu entspannen und zu motivieren.
  • Vor dem Turnier habe ich mit der CD gedanklich einzelne Bahnen oder Situationen durchgespielt.
  • Die CD habe ich auf dem Hinweg zu den Spielen gehört und auch mal in den Spielpausen.
  • Vor dem jeweiligen Spiel und nach der Hälfte habe ich das »Tarzan«-Klopfen (Thymusdrüse) gemacht, manchmal auch noch mal zwischendurch.
  • Ich habe sehr häufig die Augen hin- und herbewegt, immer wenn ich etwas schwierig oder stressig fand.
  • Ich habe mir immer wieder den Satz gesagt »In der Ruhe liegt die Kraft« und mich damit an defensives Spiel erinnert.
  • Am Abend vor dem Turnier bin ich früh ins Bett gegangen und habe mich morgens und während des Turniers regelmäßig und vernünftig ernährt (Voll- wertkost, viel Obst, Studentenfutter, Trockenfrüchte, viel stilles Wasser).
  • Ich habe mir genügend Zeit zum Einspielen genommen.
  • Wenn in der »Play Box« Zweifel hochkamen oder ich mich von Äußerem gestört fühlte, habe ich abgebrochen, bin noch mal zurückgetreten und habe meine Vorbereitungsroutinen neu gestartet.

Das Einzige, was er mental noch nicht optimal regulieren konnte, war sein Ärger auf andere Spieler. Wenn die vor Wut ausfallend wurden (Schläger schmissen) oder rumschrien, fand er das extrem rücksichtslos. Es passte so gar nicht in die Welt seiner Erwartungen und Wertvorstellungen. Leider gelang ihm das Ausblen- den dieser Störungen zu dem Zeitpunkt noch nicht so gut.Wir analysierten nach dem Turnier, weshalb diese Grundeinstellung bei ihm zu schlechten Schlägen geführt hatte. Ich erklärte ihm darauf das Selbstcoaching-Instrument »Schutzmantel anziehen«, das er zukünftig für ähnliche Fälle nutzen wird. Außerdem zeigte ich ihm ein entsprechendes »Reframing«, also eine gedankliche Umdeutung der Situation: So könnte er sich beim nächsten Mal, wenn externe, unkontrollierbare Einflüsse ihn mental und emotional zu destabilisieren drohen, innerlich sagen: »Hey, das ist hier wohl ein mentales Fitness-Center für mich. Das ist eine gute Übungsgelegenheit, um noch stärker zu werden!«

Auf diese Weise hätte er mit einfachem Selbst-Coaching Einfluss auf seinen emotional-mentalen Zustand genommen und könnte leichter Höchstleistungen abrufen.