3. Juni 2018

Sechs Dinge, die die wenigsten Menschen über das Lernen im Schlaf wissen

Lernen im Schlaf – ein alter Menschheitstraum. Erfahre, wie viel Wahres tatsächlich daran ist.

Sechs Dinge die nur wenige Menschen über das Lernen im Schlaf wissenEin Buch unter das Kopfkissen zu legen, reicht natürlich nicht. Dennoch hat der Schlaf einen enormen Einfluss auf den Lernerfolg und das Gedächtnis. Hier sind sechs Tipps für das Lernen im Schlaf:

Sechs wissenschaftlich belegte Tipps für Lernen im Schlaf

Eine Nacht darüber Schlafen – hilft tatsächlich

Zwei Gruppen von Erwachsenen mussten Vokabeln lernen: Die eine lernte morgens und wurde am Abend abgefragt. Die andere Gruppe lernte abends, ging ganz normal zu Bett und wurde am anderen Morgen befragt.

Diejenige Gruppe, die vor dem Test eine Nacht geschlafen hatte, erzielte kurz- und langfristig die besseren Ergebnisse: Sie konnte sich bei der ersten Befragung am Folgemorgen besser erinnern als die Vergleichsgruppe, nach einer Woche und nach sechs Monaten. Zudem brauchte sie weniger Zeit, um den vergessenen Teil der Vokabeln wieder aufzufrischen.

  • Tipp: Schau Dir das Neu-Gelernte kurz vor dem Zu-Bett-Gehen noch einmal kurz an. Und: Entspannung ist wichtig! Ein Nickerchen nach einer intensiven Lerneinheit ist ebenfalls hilfreich (1, 5).

Wir merken uns das, was uns wichtig ist

Deine Erwartung prägt Dein Lernergebnis: Eine Gruppe von Studenten lernte Wortpaare im Wissen darum, dass die Wortpaare am anderen Tag abgefragt werden würden. Eine Vergleichsgruppe glaubte, dass sie anderntags neue Aufgaben zu lösen hätte.

Die Gruppe, die darauf vorbereitet war, das am Tag zuvor Gelernte wiederzugeben, wusste sehr viel mehr als die andere. Im Schlaf trifft das Gehirn die Auswahl: Was ist wichtig und was nicht? Dazu braucht es offenbar einen Marker.

  • Tipp: Mach Dir bewusst, weshalb das zu Lernende für Dich wichtig ist. Sich zu konzentrieren, kann so ein Marker sein (2, 3).

Wir merken uns, was uns berührt

Was uns emotional berührt, vergessen wir nicht so schnell. Es brennt sich regelrecht in das Gedächtnis ein.

Wissenschaftler diskutieren sogar darüber, wie am besten mit Traumapatienten zu verfahren sei. Manche empfehlen, dass Menschen nach einem schlimmen Ereignis besser nicht schlafen gehen sollten – denn erst im Schlaf verankert sich das Erlebnis im Gedächtnis.

  • Tipp: Versuche, Deinen Lernstoff emotional einzubinden: Was findest Du gut oder interessant daran? Mach Dir Deine Motive für Dein Steuerberater- oder Wirtschaftsprüfer-Examen bewusst: Deine Haltung zum Lernstoff stärkt das Erinnerungsvermögen (1, 3).

Schlafmittel helfen leider nicht

Wenn guter Schlaf für das Gedächtnis so wichtig ist, liegt der Gedanke nahe, den Schlaf an sich zu verbessern – zum Beispiel mit Medikamenten.

Studien zeigen jedoch, dass diese Strategie wenig Erfolg verspricht. Schlafmittel sind nicht in der Lage, den für das Erinnern so wichtigen Tiefschlaf zu stimulieren.

  • Tipp: Schlafmittel betäuben den Menschen. Er schläft schnell ein, doch er schläft nicht gut, weil das Mittel die Schlafphasen verändert. Gleiches gilt für Alkohol. Nimm davon lieber Abstand (4).

Ein guter Duft – einen Versuch wert

Aussichtsreicher ist ein Versuch mit einem Duft. In verschiedenen Tests schnupperten Probanden einen Duft – etwa Rose oder Vanille.

Atmeten sie in der Nacht diesen Duft noch einmal ein, schnitten sie in den Tests am anderen Morgen besser ab als die Vergleichsgruppe. Der Duft scheint eine Reaktivierung von neuronalen Aktivitäten anzustoßen. Der Erfolg ließ sich in mehreren Experimenten wiederholen.

  • Tipp: Ein Experiment mit einem Duft, ist harmlos und auf jeden Fall einen Versuch wert. Versuche es doch einmal mit Zedern, Bergamotte oder was immer Du magst (4).

Nützliche Einflüsterungen

Weitere Studien haben die Wirkung akustischer Reize während des Schlafens untersucht. Der Versuchsaufbau ging dahin, dass Probanden am Tag Eigenschaftswörter und zugehörige Bilder lernten. In der Nacht wurden ihnen die gelernten Begriffe vorgespielt.

Die Schläfer mit der akustischen Unterstützung schnitten bei den Tests am nächsten Tag um immerhin 15 Prozent besser ab als die Vergleichsgruppe. Am Tag darauf waren ihre Leistungen wiederum besser und der positive Unterschied sogar noch auffälliger.

  • Tipp: Wenn Du Dich in einer frühen Phase des Lernens befinden, kannst du einmal mit dieser Stratgie experimentieren. Aber bitte: Untergrabe nicht deinen normalen, gesunden Schlaf mit dem Versuch, auch noch die Nacht optimal zu nutzen (5)!

 

 

Quellen:
(1) Lernen im Schlaf, Wie es funktioniert. PZ Pharmazeutische Zeitung online, abgerufen am 24.05.18, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=37016
(2) Studie belegt: Schlaf erleichtert das Lernen. aerzteblatt.de, abgerufen am 24.05.18, https://www.aerzteblatt.de/blog/70141/Studie-belegt-Schlaf-erleichtert-das-Lernen
(3) Ragnar Vogt, Lernen im Schlaf. DasGehirn.info, abgerufen am 24.05.18, https://www.dasgehirn.info/handeln/schlaf-und-traum/lernen-im-schlaf
(4) Carina Frey, Schlau im Schlaf, Spiegel online, abgerufen am 24.05.18, http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/neuro-enhancement-lernen-im-schlaf-a-1067191.html
(5) Wie das Gehirn im Schlaf lernt, science ORF.at, abgerufen am 24.05.18, http://science.orf.at/stories/2900071/

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